Digitale Teilhabe - eine Frage des Einkommens (Blog Action Day 2008 - Poverty)
15. Oktober 2008 in Allgemein, Zugänglichkeit

“Poverty” (Armut) ist das Thema des Blog Action Days 2008. Diejenigen, die dazu bloggen oder Blogs lesen gehören im Prinzip schon zu den bevorzugten Menschen der Informationsgesellschaft und einem mehr oder weniger elitären Zirkel an.
Weniger bevorzugt sind diejenigen, die aufgrund von Armut nicht oder nur eingeschränkt an der Informationsgesellschaft teilhaben können und zu den digital Ausgegrenzten gehören. Dabei reicht es nicht aus, den - wenngleich wichtigen - Blick in die afrikanischen Länder zu werfen, wo teilweise wie in Angola auf 3000 Menschen ein Computer kommt. Zur globalen Spaltung in reiche und arme Länder gesellt sich ein zweiter Graben, der ebenfalls entlang der Einkommenslinie verläuft und keineswegs vor sogenannten entwickelten Ländern halt macht.
Auch in Deutschland ist laut (N)Onliner-Atlas 2008 der Internetzugang immer noch eine Sache des Geldes: Nur 40,9 Prozent derjenigen mit einem Haushaltseinkommen von unter 1000 Euro sind bisher online. Nach Angabe des Deutschen Kinderschutzbundes sind rund 2,6 Millionen Kinder in Deutschland von Armut betroffen und damit vom fehlenden oder mangelhaften Zugang zu Computer und Internet, der sich immer häufiger negativ auf den Lernalltag dieser Kinder auswirkt.
Die ungehinderte Teilhabe an der Informationsgesellschaft unabhängig davon, wo man lebt und wie viel Einkommen man hat, ist also weder in den Entwicklungsländern noch in Deutschland Realität und “wer keinen Zugang zur digitalen Welt hat, dem droht auch in der realen Welt Ausgrenzung und Benachteiligung” (Bernd Bischoff, Präsident der Initiative D21).
Berücksichtigt man, dass laut dem letzten Armutsberichts der Bundesregierung jeder achte Bundesbürger in Armut lebt und jeder vierte von Armut bedroht ist, so steht zu befürchten, dass sowohl die soziale als auch die digitale Kluft in Deutschland in den kommenden Jahren eher breiter als schmaler wird.
Gerade in den viel beschworenen Zeiten des sozialen Mitmach-Webs 2.0 und der Beteiligung aller an der Schaffung gemeinsamen Wissens stellt sich die Frage: Wollen wir das Wissen und die Chancen, die das World Wide Web bietet in mehr oder weniger elitären Zirkeln für uns behalten oder sollen alle daran teilhaben können, um irgendwann mal mit Fug und Recht von einem sozialen Web sprechen zu können?
