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Neckargerach-Relaunch – eine kritische Würdigung

6. Juni 2011 von Kerstin Probiesch in: Barrierefreiheit, BITV, Kurzanalysen

Barrierefreiheit kommt in den kleineren Städten und Gemeinden an. Ein Beispiel ist die Gemeinde Neckargerach in Baden-Württemberg, die am 6. Juni mit einem neuen Webangebot online ging. Das Webangebot zeigt jedoch deutlich, dass noch nicht alle Aspekte der Barrierefreiheit konsequent umgesetzt werden. Nun ist es so eine Sache, in einem öffentlichen Blogpost auf gefundene Barrieren hinzuweisen und damit Kritik an einem Webangebot zu üben, das sicherlich über einen längeren Zeitraum entwickelt wurde. Es hat schon immer etwas von Pranger. Dies ist jedoch nicht Intention dieser (wahrscheinlich nicht abschließenden) Kurzbeschreibung gefundener Barrieren.

Neckargerach.de wurde mit TYPO3 realisiert und bringt ein typisches nicht gefixtes TYPO3-Tastaturproblem mit: In Internet Explorer kommt man mit der Tastatur nicht über die Suche hinaus. Das hätte eigentlich beim Durchtabben mit der Tabulatortaste spätestens in der mittleren Entwicklungsphase auffallen müssen. Ein weiteres Problem ist, dass es sehenden Tastaturbenutzern aufgrund des kaum bis nicht sichtbaren Fokus nicht gerade leicht gemacht wird, sich innerhalb der Einzelseiten zu orientieren.

Das Zoomen scheint mit Firefox und Internet Explorer gut zu funktionieren, die reine Schriftvergrößerung klappt jedoch nur in Firefox. Problematisch für viele Menschen mit Sehbehinderung dürften die Kontrastverhältnisse sein. Das betrifft sowohl die Links zu Inhalt, Impressum und Hilfe als auch die Funktionen zum Vergrößern im linken oberen Bereich mit einem Kontrastverhältnis von nur 1,8:1, den Breadcrumb (2,3:1) und die Menüpunkte in der ausgeklappten Hauptnavigation (1,8:1).

Im Formular Mängelmeldung – einem übrigens sehr guten Serviceangebot, das jede Stadt haben sollte – wurden die Beschriftungen (nach flüchtigem Blick) korrekt mit den Eingabefeldern über das LABEL-Element verknüpft. Dies nutzt blinden Mängelmeldungswilligen leider wenig, wenn sie nach Ausfüllen des Formulars auf ein grafisches alternativloses CAPTCHA stoßen. Auch für Menschen mit Sehbehinderungen jeglichen Alters ist das CAPTCHA aufgrund des schwachen Kontrastverhältnisses sicherlich ein Problem.

Einige Schwächen fielen auch bei den Alternativtexten auf. So hat das Logo keinen solchen und einige der verlinkten Icons und Grafiken verraten entweder nichts über das Ziel des Links oder zu wenig.

Ich möchte hier kein Klagelied darauf anstimmen, wie es zu solchen Barrieren kommen kann. Das wäre gegenüber der Gemeinde nicht fair. Was an diesem Beispiel deutlich wird ist: Viele Barrieren könnten vermieden werden, wenn Entscheider und Projektleiter bzw. Verantwortliche über zumindest Hintergrund- und Basiswissen zu Barrierefreiheit im Web verfügten. Viele der oben genannten Barrieren können ohne Prüfwerkzeuge getestet werden und Kontrastverhältnisse beispielsweise lassen sich leicht mit dem Colour Contrast Analyser analysieren.

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