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BITV 2.0-Entwurf kommentiert – Teil 3 – Sprachwechsel, allgemeiner Sprachgebrauch, Duden

18. März 2011 von Kerstin Probiesch in: Barrierefreiheit, BITV

Nachdem ich in Teil 1 einen allgemeinen ersten Eindruck zum Entwurf der BITV 2 gegeben und in Teil 2 das Thema “mehrdeutige Links” behandelt habe, lag diesem dritten Teil ursprünglich zu Grunde, dass ich von einem Tippfehler bzw. einer falschen Zuordnung von Begründung der BITV 2.0 auf die Anlage 1 ausging. Dies war jedoch mein Fehler. Damit andere nicht den gleichen machen oder die falschen Inhalte und Interpretationen weitertragen habe ich den ursprünglichen Artikel gelöscht.

Dennoch ein Kommentar zu Bedingung 3.1.2:

Auf Seite 9 der Begründung zum Entwurf der BITV 2.0, derzeit im EU-Notifizierungsverfahren, heißt es:

“Zu Bedingung 3.1.2 der Anlage 1
Die WCAG 2.0 lassen Ausnahmen zu wie Eigennamen, Fachbegriffe, sprachlich unbestimmte Begriffe sowie Begriffe oder Sätze, die Teil der im textlichen Umfeld verwendeten Umgangssprache sind. Die Anlage 1 übernimmt diese Ausnahmen grundsätzlich nicht, weil Eigennamen oder Fachbegriffe aus Sicht der Arbeitsgruppe ausgezeichnet beziehungsweise umbenannt werden müssen. Für Begriffe, die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und insbesondere auch im Duden aufgeführt sind, also zum Beispiel der Computer oder das Web, ist eine Auszeichnung oder Umbenennung nicht erforderlich.”

Hier die zugehörige Bedingung 3.1.2:

3.1.2 Sprache einzelner Abschnitte
Die natürliche Sprache aller verwendeten Textpassagen oder Ausdrücke ist durch Programme erkennbar.

In dieser Bedingung geht es zunächst um die Auszeichnung anderssprachiger Textabschnitte. Gemeint ist damit die Kennzeichnung des Sprachwechsels im HTML, damit diese Passagen nicht mit deutscher Betonung vorgelesen werden, wenn es sich z.B. um englischsprachige Passagen handelt.

Zum Vergleich 3.1.2 der WCAG 2.0:

3.1.2 Sprache von Teilen: Die menschliche Sprache jedes Abschnitts oder jedes Satzes im Inhalt kann durch Software bestimmt werden außer bei Eigennamen, technischen Fachbegriffen, Wörtern einer unklaren Sprache und Wörtern oder Wendungen, die Teil des Jargons des direkt umliegenden Textes geworden sind. (Stufe AA)

Während in den WCAG 2.0 zusätzlich von Sätzen die Rede ist, wird in der BITV 2.0-Fassung “Ausdrücke” verwendet. Umgangssprachlich wird “Ausdruck” durchaus im Sinne von “Begriff” verwendet. Das würde bedeuten, dass auch alleinstehende anderssprachige Wörter ausgezeichnet werden müssten. Möglich ist aber auch – es ist ja eine Verordnung -, dass “Ausdruck” im Sinne von Phrase gemeint ist. In diesem Fall müssten die in der Begründung angesprochenen Wörter nur ausgezeichnet werden, wenn sie Teil einer Phrase (zusammengehörende Wortgruppe als sprachliche Einheit) sind. Leider befindet sich der Begriff “Ausdruck” nicht im Glossar.

Die Auszeichnung (alleinstehender) anderssprachiger Wörter ist bei etlichen Screenreadernutzern übrigens nicht so beliebt wie man meint, da Screenreader beim “Umschalten” eine kurze Pause einlegen. Umso verwunderlicher wäre die Erweiterung auf alleinstehende anderssprachige Eigennamen, Fachbegriffe usw.

Allgemeiner Sprachgebrauch und “Duden” als Maßstab

Als Kriterium für die Auszeichnung anderssprachiger Wörter nennt die BITV 2.0 den allgemeinen Sprachgebrauch und den Duden.
Die Wikipedia schreibt (und dürfte damit nicht völlig falsch liegen):

Allgemeiner Sprachgebrauch ist kein Begriff mit klar definierter Bedeutung. Wer diesen Ausdruck benutzt, weist darauf hin, dass es seiner Meinung nach (oder auch nachgewiesenermaßen) ein verbreitetes Verständnis für einen sprachlichen Ausdruck gibt, neben dem durchaus auch andere Auffassungen bestehen können.

Als Erweiterung und Festlegung des maßgeblichen Wortregisters wird der Duden genannt, wobei die Formulierung “und insbesondere auch” verwendet wird. Deutlicher wäre, wenn auf “insbesondere auch” verzichtet worden wäre – zumindest sofern kein anderer Maßstab als “der Duden” gilt.

Ob mit “Duden” der Duden – Deutsches Universalwörterbuch gemeint ist? Es käme auch Duden – Die deutsche Rechtschreibung in Betracht oder Deutsches Wörterbuch aus der Reihe “Der kleine Duden”, der die “Rechtschreibung des Alltagswortschatzes und der wichtigsten Fremd- und Fachwörter” enthält.

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